Archiv für den Monat Januar 2015

Software für Tablets im Unterricht

Natürlich kann ich in diesem Beitrag nicht auf die Unmenge von verschiedenen Anbietern, ihre Produkte und verschiedene Anwendungsbereiche eingehen, sondern beschränke mich auf ein zwei Tools per Taxonomiestufe (soweit möglich).

K1 (Wissensaufgabe)

Hier bieten sich elektronische Karteikästchen geradezu an. Schön wäre es, wenn ich als Lehrperson selber Karteikärtchen erstellen kann, aber der Lernende auch die Möglichkeit hat, selber zur Sammlung beizutragen. Als reine Online-App bietet sich examtime.com an. Für Android gibt es AnkiDroid. Für iPhone und iPad weist Flashcards Deluxe gute Bewertungen auf.

K2 (Verständnisaufgabe)

Um die Lernenden davon zu entlasten, immer eine Unmenge an papierbasierten Lernmittel rumschleppen zu müssen, wäre ein Tablet als eReader erste Wahl. Stellt unser Verlag seine Lehrmittel schon als PDF oder epub-book zur Verfügung? Leider nein, aber das kommt sicher noch. eReader gibt es zuhauf für Android und iOS.

K3 (Anwendungsaufgabe)

Ab jetzt wird es schon schwieriger, geeignete Apps zu finden. Um reine Dokumente zu schreiben, gibt es nun MS Word für iPads. Um eine Tabellenkalkulation anzuwenden, findet sich auch MS Excel im Apple App Store. Doch inwieweit diese zwei Spezialfälle tauglich auf dem iPad geübt werden können, muss sich weisen.

K4 (Analyseaufgabe)>

Für Analyseaufgaben bieten sich Tablets an, um im Internet zu recherchieren. Um Zusammenhänge festzuhalten, gibt es verschiedene Mindmap-Anwendungen für Android. Um die relevanten Infos zu sammeln und zu kommentieren, bieten sich Outliner und Notizblöcke an. V.a. Evernote mit seinen Möglichkeiten, verschiedenste Medien aufzunehmen und zu speichern, scheint hier relevant.

K5 (Syntheseaufgabe)

Ich denke, bei K5 und K6 ist die Kombination von verschiedenen Tools notwendig. Die bei K4 gefundenen Werkzeuge bieten sich hier ebenfalls an.

K6 (Beurteilungsaufgabe

Sie K5.

Eine weitere Frage, die sich mir stellt, wenn ich Tablets im Unterricht einsetze, ist die, wie kann ich den Lernenden kontrollieren? Genau wie jetzt an dem ich jeden einzelnen Bildschirm auf dem Lehrer-PC betrachten kann, stellt Netsupport ein Tool zur Verfügung, welches auch für Tablets funktioniert.

Exkurs: Seminar und Web 2.0

Das Seminar zeigt mir jedes Mal auf’s Neue, wie ich bei aktuellen Web 2.0 Tools hinterherhinke. Die Vielfalt und Möglichkeiten des WWW überraschen mich immer wieder. Der Arbeitsaufwand für die Lernjobs ist für mich vertretbar, doch leider verbringe ich viel Zeit damit, mir im Moodle einen Übersicht zu verschaffen und die richtigen Directories zu finden (Foren, etc.) Wie andere, frage ich mich, habe ich etwas verpasst? Habe ich alles erledigt?

Für meinen Unterricht werde ich sicher das eine oder andere Werkzeug benutzen (z.B. die LearningApps finde ich sehr passend), muss aber aus meiner Erfahrung sagen, dass die Jugendlichen zwar sehr sicher mit sozialen Medien und Tools umgehen, aber nur weil die Lehr- und Lernmittel nun elektronisch sind, nicht unbedingt ein besseres Lernergebnis erzielt wird. Die Web 2.0 Tools müssen in einen Kontext eingebunden werden und didaktisch „profesionell“ eingeführt und eingebettet werden. Das Web 2.0 bietet sicherlich viele Vorteile gegenüber papierbasierten Technologien: Updates sofort verfügbar, Teilen, Plus an Aufmerksamkeit, etc. aber es kommt, wie fast immer, auf den Lehrer an, ob sie Erfolg bringen oder nicht.

Natürlich bin ich immer wieder überrascht, was mit dem Web 2.0 alles möglich ist. Wie lebendig der Browser seit der Anfangszeit geworden ist und was mit Javascript alles kreiert werden kann. Auch dass ich auf die gleichen Inhalte mit PC, Tablets und Smartphone ohne Probleme zugreifen kann. Erinnert sich noch jemand an WAP und wie mühsam das war? Gleichzeitig habe ich mehr Mühe als andere, meine Inhalte und Sammlungen irgendwo im Internet zu speichern.

Meine erste Frage ist meist: ich investiere nun viel Arbeit und speichere meine Links in diigo oder Symbaloo. Wer sagt mir, dass die Website nicht von heute auf morgen zugeht? Was passiert mit meiner Arbeit? Oder genau in dem Moment, in dem ich dringend etwas benötige, ist die Site nicht verfügbar. V.a. wenn ich mit viel Schweiss, ein Thema mit einer Web 2.0-Anwendung für den Unterricht aufbereite und just ist die Web-Site im Unterricht unten. Ich erinnere mich an Informatikunterricht, bei den der Fileserver nicht erreichbar war…All die Planung war für nix – wer denkt denn schon an ein Backup auf einen USB-Stick? Also kreativ und mit Adrenalinschub mit den Schülern zusammen Aufgaben erstellen und lösen lassen. Sicher für einmal spannend, aber es stellte sich bei mir kein Wiederholungsbedarf ein.

Ich habe auch ein unerklärlich, unangenehmes Gefühl, wenn ich meine Arbeiten, seien es Linksammlungen, Gedanken als Blog, Dateien, etc. irgendwo auf dem Web speichere. Sind es noch so unschuldige Dinge, ob privat oder für den Unterricht, ich habe keine Ahnung, was mit meinen Daten passiert. Ich lese nicht jedesmal die Geschäftsbedingungen durch, sondern klicke sie, wie manch anderer, meist einfach weg. Ich benutze zwar privat Dropbox, im Wissen, dass meine Daten für die Firma leserlich sind, aber der hohe Nutzen überwiegt in diesem Falle meine Bedenken (SpiderOak wäre eine Alternative, aber leider wird dies nicht von vielen Tools unterstützt). Oder ich „vertraue“ einer Firma meine Daten an und plötzlich wird sie von einer „Datenkrake“ aufgekauft? Was dann? Siehe WhatsApp und Facebook. Selten kosten solche Dienste etwas, aber If You’re Not Paying for It; You’re the Product

Ich urteile sicher nicht über Personen, die Web 2.0 rege und erfolgreich benutzen, aber wegen meinem mulmigen Gefühl, sitze ich (privat jedenfalls) am Rand dieser Welt und beobachte nur. Für den Unterricht werde ich mich nach dieser Kennenlernphase mehr aufs Glatteis wagen.