Archiv für den Monat Februar 2015

Evernote

Wir brauchen an unserer Schule Educanet. Nur leider wird es „nur“ als bessere Dateiablage und den Emailverkehr genützt. Selten benützen Lehrer die anderen verfügbaren Funktionen (Courselets, etc.) Woran liegt das? Meiner Meinung nach, ist es so, dass Educanet den neuen Webstandards hinterherhinkt: es beginnt bei der Farbgestaltung bis hin zur Menüführung.

Ich stiess auf einen Artikel über Evernote und wie ein Lehrer seine Notizblöcke und Checklisten mit seinen Schülern teilt. Ich habe Evernote schon lange bei mir installiert, aber brauche es nie. Aber die obige Idee wäre ein Anstoss, es mit einer nächsten Klasse als Information-Repository zu benutzen. Verschiedenste Dinge kann ich, schön gestaltet ablegen (Prüfungsankündigungen, Checklisten, etc.) und die Schüler hätten sehr einfachen Zugriff darauf – auch vom Mobiltelefon aus. Mmmh, stelle ich mir sehr praktisch vor.

evernote_logo

Ich erstelle ein neues Notizbuch für jede Klasse und füge alle Klassenmitglieder dort hinzu. Vielleicht versuche ich es in einer ersten Phase nur mit einer Leseberechtigung. Logs, Klassenlernjournal, etc. lege ich dort ab und erlaube der Klasse den Zugriff. Ebenfalls Absenzmeldungen, Prüfungsankündigungen, etc. kann ich dort unterbringen. Dies könnte ich bereits auf Educanet tun, nur fehlt mir die Lust dazu, mich mit einem „mittelalterlichen“ Tool rumzuschlagen, wenn es soviele moderne und versatil einsetzbare Tools am Markt gibt.

Evernote gibt es für OS X, Windows sowie iOS und Android. Es kostet nichts und deshalb kann ich wohl von den Schülern verlangen, es auf ihrem Smartphone zu installieren.

Dadurch, dass es für Smartphones verfügbar ist und das Login gespeichert werden kann, hoffe ich stark, dass es von den Schülern rege benutzt wird. Emails wie „Wann haben wir die nächste Prüfung?“ gehören dann hoffentlich der Vergangenheit an.

„When it comes to taking all manner of notes and getting work done, Evernote (free to $45 per year for Premium) is an indispensable tool. Its magic lies in its flexibility. You can bend Evernote to your will and use it for practically anything, from recording meetings to marking up PDFs to keeping a daily diary. Evernote remains an essential tool for the modern age is because it has reliable and frequently updated apps for practically every platform, including it Web app.“ [Quelle]

Exkurs 2: Schummeln in Prüfungen mit Smartwatches

Nun ist die heissersehnte Apple Watch da, obwohl wir in der Schweiz wahrscheinlich noch warten müssen. Natürlich gibt es bereits etliche andere Smartwatches von verschiedenen Herstellern. Ich werde keine kaufen: ich trage seit ich ca. 25 bin, keine Uhr mehr. Es geht auch ohne. Aber wenn sie denn smart ist? Wer weiss…

Dick Tracy

Auf jeden Fall tangiert mich die Thematik in Bezug auf Prüfungen in der Schule und die Smartwatch als weitere Möglichkeit zum Schummeln. In manchen Ländern spickt man noch auf die herkömmliche Art und Weise: Relatives climb walls in India to help students cheat in exams.

Cheating exams in india

Natürlich bin ich nicht der erste, der mit diesem Thema konfrontiert wird:

Wie im Golem-Artikel oben beschrieben, reichen sehr einfache Apps, welche wie Uhren aussehen, um Schummeln v.a. bei Mulitple-Choice-Fragen zu ermöglichen. Was ist also zu tun? Gemäss unserer Schulleitung sind keine weiteren Texte in Prüfungsordnungen nötig, da es sich um ein elektronisches Hilfsmittel wie Smartphones handelt. Wir ziehen also einfach alle Uhren vor den Prüfungen ein und geben sie nachher zurück, irrelevant ob es sich um eine herkömmliche oder schlaue Uhr handelt. Wie will man das auch jedes mal genau überprüfen?

Nun kann man sich natürlich fragen, wie modern das ist einfach alle schlauen Hilfsmittel zu verbieten oder ob wir da einfach Sisyphus-Arbeit leisten? Wie bei den Radrennfahrern, bei welchen es Meinungen gibt, dann sollen sie sich doch dopen bis sich die Dachbalken biegen: es ist ja ihre Gesundheit und sie sollten es ja selber wissen (obwohl wenn ein Radfahrer diesen Karriereweg, das Dopen so nicht mehr freiwillig wäre, sondern von äusseren Zwängen bestimmt). So kann man auch bei den elektronischen Helfern argumentieren: die Schüler müssen es selber wissen. Wenn sie mit elektronischen Helfern schummeln, wird die Prüfungs-Zeit plötzlich knapp, da ma zuviel Zeit mit dem Bedienen der Smart-Maschinen ist oder früher oder später bleiben sie auf der Strecke, da man sich so kein Wissen aneignet, auf welchem man aufbauen kann, um komplexere Tests zu bestehen. Also, was soll’s? Sie trainieren sich „moderne“ Kompetenzen an, wie man Informationen schnell im Netz recherchiert, wie man mit anderen kollaboriert, um schnell zu einem Ergebnis zu gelangen und vieles mehr. Ist das nicht eher das Wissen, das in Zukunft gebraucht wird? Schauen wir auch nicht selbst schnell mal bei Wikipedia nach, weil wir unserem Faktenwissen nicht mehr so vertrauen wie früher? Nehme ich bei komplexeren, mathematischen Problemen nicht immer das Excel (oder wenigstens einen Rechner) zu Hilfe, weil bei mir das Kopfrechnen immer länger dauert und immer mehr falsche Ergebnisse liefert? Für was habe ich das früher so gepaukt?

Können sich Lernende von heute überhaupt noch ein Leben ohne Smart-irgendwas vorstellen? Was ist, wenn man kein Netz hat? Was ist, wenn ein Fall eintritt, indem man tatsächlich auf seinen eigenen Kopf angewiesen ist und das erweiterte Gedächtnis nicht verfügbar ist? Nehmen die SuS das als Argument an?

Wie kann man sich persönlich weiterentwickeln, wenn man für alles und jedes immer eine smarte Verlängerung braucht? Wie wird man ein reifer, erwachsener, mündiger Mensch, wenn für jede Entscheidung oder Wissensabfrage das Netz hinzugezogen werden muss? Taugt das als Argument, dass ich es sinnvoll finde, dass wir bei jeder Prüfung alles Smarte einziehen und verlangen, dass sich die SuS auf ihr Smart-Brain verlassen müssen?