Exkurs 2: Schummeln in Prüfungen mit Smartwatches

Nun ist die heissersehnte Apple Watch da, obwohl wir in der Schweiz wahrscheinlich noch warten müssen. Natürlich gibt es bereits etliche andere Smartwatches von verschiedenen Herstellern. Ich werde keine kaufen: ich trage seit ich ca. 25 bin, keine Uhr mehr. Es geht auch ohne. Aber wenn sie denn smart ist? Wer weiss…

Dick Tracy

Auf jeden Fall tangiert mich die Thematik in Bezug auf Prüfungen in der Schule und die Smartwatch als weitere Möglichkeit zum Schummeln. In manchen Ländern spickt man noch auf die herkömmliche Art und Weise: Relatives climb walls in India to help students cheat in exams.

Cheating exams in india

Natürlich bin ich nicht der erste, der mit diesem Thema konfrontiert wird:

Wie im Golem-Artikel oben beschrieben, reichen sehr einfache Apps, welche wie Uhren aussehen, um Schummeln v.a. bei Mulitple-Choice-Fragen zu ermöglichen. Was ist also zu tun? Gemäss unserer Schulleitung sind keine weiteren Texte in Prüfungsordnungen nötig, da es sich um ein elektronisches Hilfsmittel wie Smartphones handelt. Wir ziehen also einfach alle Uhren vor den Prüfungen ein und geben sie nachher zurück, irrelevant ob es sich um eine herkömmliche oder schlaue Uhr handelt. Wie will man das auch jedes mal genau überprüfen?

Nun kann man sich natürlich fragen, wie modern das ist einfach alle schlauen Hilfsmittel zu verbieten oder ob wir da einfach Sisyphus-Arbeit leisten? Wie bei den Radrennfahrern, bei welchen es Meinungen gibt, dann sollen sie sich doch dopen bis sich die Dachbalken biegen: es ist ja ihre Gesundheit und sie sollten es ja selber wissen (obwohl wenn ein Radfahrer diesen Karriereweg, das Dopen so nicht mehr freiwillig wäre, sondern von äusseren Zwängen bestimmt). So kann man auch bei den elektronischen Helfern argumentieren: die Schüler müssen es selber wissen. Wenn sie mit elektronischen Helfern schummeln, wird die Prüfungs-Zeit plötzlich knapp, da ma zuviel Zeit mit dem Bedienen der Smart-Maschinen ist oder früher oder später bleiben sie auf der Strecke, da man sich so kein Wissen aneignet, auf welchem man aufbauen kann, um komplexere Tests zu bestehen. Also, was soll’s? Sie trainieren sich „moderne“ Kompetenzen an, wie man Informationen schnell im Netz recherchiert, wie man mit anderen kollaboriert, um schnell zu einem Ergebnis zu gelangen und vieles mehr. Ist das nicht eher das Wissen, das in Zukunft gebraucht wird? Schauen wir auch nicht selbst schnell mal bei Wikipedia nach, weil wir unserem Faktenwissen nicht mehr so vertrauen wie früher? Nehme ich bei komplexeren, mathematischen Problemen nicht immer das Excel (oder wenigstens einen Rechner) zu Hilfe, weil bei mir das Kopfrechnen immer länger dauert und immer mehr falsche Ergebnisse liefert? Für was habe ich das früher so gepaukt?

Können sich Lernende von heute überhaupt noch ein Leben ohne Smart-irgendwas vorstellen? Was ist, wenn man kein Netz hat? Was ist, wenn ein Fall eintritt, indem man tatsächlich auf seinen eigenen Kopf angewiesen ist und das erweiterte Gedächtnis nicht verfügbar ist? Nehmen die SuS das als Argument an?

Wie kann man sich persönlich weiterentwickeln, wenn man für alles und jedes immer eine smarte Verlängerung braucht? Wie wird man ein reifer, erwachsener, mündiger Mensch, wenn für jede Entscheidung oder Wissensabfrage das Netz hinzugezogen werden muss? Taugt das als Argument, dass ich es sinnvoll finde, dass wir bei jeder Prüfung alles Smarte einziehen und verlangen, dass sich die SuS auf ihr Smart-Brain verlassen müssen?

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