Archiv für den Monat November 2015

CYP – Digitales Lernen

Am 18.11.2015 hatten wir das Vergnügen, CYP in Zürich zu besuchen. CYP führt, neben anderem, die überbetrieblichen Kurse für Banken durch. Vor einigen Jahren entschieden sie sich mit der papierbasierten Technologie zu brechen und auf rein digitale Unterrichtsmethoden umzusteigen: der alte Flipchart findet sich noch hier und dort, aber jeder Lernende erhält ein Tablet mit Tastatur und benutzt dies die nächsten drei Jahre als hauptsächliches Arbeitsinstrument – Future Learning oder Connected Learning.

(c) CYP

© CYP


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An der Präsentation und Fragerunde stellten sie uns ihre grundsätzlichen „Learnings“ dar, auf das, falls wir an unserer Schule den Schritt wagen, wir nicht die gleichen Fehler nochmal machen.

  • Das digitale Lernen ist ein Bruch mit den Traditionen in Sek I, da dort noch die traditionellen Methoden hauptsächlich vorkommen (ohne all die, welche jetzt schon digital unterrichten aussen vor zu lassen). D.h. eine Einführung in die Methodik, Selbstorganisation und andere Unterschiede ist jetzt noch nötig. Die Kursleiter denken jedoch, dass in ein paar Jahren, dass zur Selbstverständlichkeit wird. Die Digital Natives verfügen komischerweise vielfach über wenig Medienkompetenz mit digitalen Lern- und Arbeitsinstrumenten. D.h. wir Lehrer erliegen einem Trugschluss, wenn wir denken, dass bei einem Wechsel zu digitalen Lern- und Arbeitsmethoden alles reibungslos und fast automatisch läuft: ganz im Gegenteil, wir werden überrascht sein, wie wir den Lernenden helfen müssen, obwohl sie tagtäglich Stunden im Internet verbringen.
  • Das Arbeitsgerät muss dem Lernenden gehören: nur so findet mit der Zeit eine Identifikation statt. Das Tablet als Leihgabe hatte negative Folgen: angefangen vom sorglosen Umgang bis hin zum Verlust.
  • Es braucht von beiden Seiten den Willen sich darauf einzulassen: das Umlernen ist wesentlich schwieriger als das Neulernen. Nach ein paar Wochen/Monaten ist auch der geistige Wechsel vollzogen und man lernt gleich gut. Die Lerninhalte werden durch das Tablet nicht beeinträchtigt. Das Einsparen von Tonnen von Papier ist ein weiterer, schöner Nebeneffekt.
  • Bei der Gestaltung der Lernaufträge/Lernjobs ist es wichtig, dass kein Medienbruch stattfindet. Es sollten alle notwendigen Unterlagen an einem Ort auffindbar sein. Der Lernende verliert scheinbar schnell das Interesse, wenn er die nötigen Infos über verschiedene Orte und Medien zusammensuchen muss.
  • Alle Apps, welche CYP benutzt, sind kostenlos erhältlich und meistens auch für alle Plattformen verfügbar. Es ist für CYP nicht vertretbar, von einem Lernenden zu verlangen, 2.50 zu bezahlen, um einen Lernjob fertigstellen zu können. Evernote, Google Drive, Task List, etc. sind die Hauptvertreter, welche sie nannten…
  • CYP arbeitet gerne mit Filmen. Sie lassen auch die Lernenden Filme als Arbeitsergebnis erstellen. CYP erstellt zu gewissen Themen auch selber professionelle Lehrfilme, welche sich die Jugendliche zeit- und ortsunabhängig anschauen können. Die Lernenden mögen es sehr, mit Filmen zu lernen. Auch anderenorts wird viel mit Youtube gelernt.

Ich verliess CYP um 12:00 inspiriert. Ich weiss, dass das rein digitale Lernen kommen wird, aber dass es so gelebt wird, habe ich bis jetzt noch nicht gesehen. Der Erfolg ist da und ich freute mich, dass auch an unserer Schule vielleicht irgendeinmal erleben zu dürfen.

teufel

Aber, wie immer, hatte das kleine Teufelchen auf der rechten Schulter auch noch was zu sagen. Klar, CYP hat 60 vorgefertigte Module, welche sie über ihre Lernenden abwirft. Alles ist sehr homogen: der Stoff, die Einstellung, die Lernenden, die Branche, etc. Digitales Lernen flächendeckend an einer Berufsschule einzuführen scheint mir jetzt noch schwierig. Alles sehr heterogen: angefangen von der Widerstandsgrösse der Lehrpersonen, die Fächer, die Branchen, die kognitiven Fähigkeiten der Lernenden, etc.

Das Lernen mit Filmen ist ja sicher eine schöne Abwechslung: aber wieviele Lernende gehen nachher an eine Fachhochschule und haben wenig trainiert, mit Texten zu lernen, Texte zu analysieren und suchen immer auf Youtube ein passendes Video? Nun gut, dass ist eine schwache Kritik für eine sonst gelungende Präsentation.

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PechaKucha

20 Slides, automatisch wechselnd, jedes Slide 20 Sekunden: sprechen, im Rhythmus der Slides, kein Auffangnetz. Eine spannende Art der Präsentation, auch um den üblichen Powerpoint-Krankheiten auszuweichen.

Die Seite http://www.pechakucha.org/ beschreibt die Idee, Entstehung und sammelt verschiedene PK-Präsentation organisiert in Channels (Wikipedia-Eintrag). Wir wenden das in unserem Kurs an, um einen Lehrbetrieb darzustellen. Eignet es sich auf für den Unterricht für Schülerpräsentationen?

Vorteile (aus meiner Sicht):

  • Die Zeit ist begrenzt.
  • Der Stoff muss so aufbereitet werden, dass er in die Form passt.
  • Man muss sich bei jedem Slide kurz fassen. Wo man sonst vielleicht mit einer Minute pro Slide rechnet, sind es hier 20 Sekunden.
  • Der Rhythmus der Präsentation wird stärker gewichtet.
  • Es ist sicher auch mal belustigend, wenn eine Präsentation aus dem Ruder gerät.

Nachteile (aus meiner Sicht):

  • Die Slides untermalen vielleicht eher. Detaillierte Aufstellungen, Diagrammme, etc. brauchen zuviel „Einlesezeit“ des Betrachters und können wohl deshalb nicht verwendet werden.
  • Es ist ein reiner Vortrag. Slides können in dieser Form nicht diskutiert werden. Der Takt bestimmt.
  • Der Stoff muss aufgbläht oder gekürzt werden, um in 20 Slides zu passen.
  • Die Form eignet sich nicht, um verschiedene Geschäftsfälle (Ideenentwicklung, Feedback, Quartalsberichte, etc.) zu präsentieren. Sie ist zwar informativ und unterhaltend, muss aber wohl im täglichen Berufsleben eine Nischenstellung einnehmen.

Im Unterricht kann ich mir vorstellen, PechaKucha dann einzusetzen, wenn die Lernenden im Klassenzimmer das Ergebnis einer Gruppenarbeit präsentieren: als Abwechslung zu den anderen Formen. Muss die Präsentation wichtige Informationen transportieren, kommt die PechaKucha-Methode den vielfältigen Aufmerksamkeits- und Begreiftempo verschiedener Lernender nicht entgegen. Der zeitlich erzwungene Wechsel und die fehlende Unterbrechungnsmöglichkeit mögen zwar kurzweilige Präsentation zur Folge haben, aber ich zweifle, ob man damit erfolgreich Lerninhalte transportieren kann. Das Präsentieren üben, unterhaltend einen Sachverhalt, ein Ereignis, etc. vorzustellen, dazu ist PechaKucha sicher geeignet. Vielleicht werde ich einen Probelauf mit den Lernenden durchführen: z.B. bei der Einführung von Projektmanagement, wo sie einfache Projektbeispiele abbilden und der Klasse präsentieren müssen. Ansonsten wohl eher weniger…

Wenn man ein paar Regeln bei üblichen Präsentation beachtet, lassen sich ein paar Vorteile von PechaKucha wenigstens teilweise übertragen: