Archiv für den Monat Februar 2016

Berufsausbildung in Deutschland

Zufällig stolperte ich über den Artikel Das Image-Problem der Lehre im deutschen Handelsblatt. Die Autorin verweist auf Probleme in der deutschen Berufsbildung und schlägt vor einen Blick auf andere Länder zu werfen, wie auch die Schweiz.

Wo hapert es in Deutschland und wo soll es bei uns also besser klappen? Der erste Punkt, ist der bei uns gepriesene Begriff der Durchlässigkeit. Ein gewählter Bildungsweg soll keine Sackgasse darstellen, sondern weitere Möglichkeiten, eine weitere Ausbildung oder Studien anschliessend aufzugreifen. Bei den Gesellen in Deutschland sieht es auf dem Papier ebenso aus, dass nach abgeschlossener Lehre die Hochschule „prinzipiell“ offen steht, aber es stehen drei Jahre an Berufspraxis dazwischen. Der Hochschulzugang gelte dann nur für verwandte Fächer und ob mit der Berufspraxis die Hochschulreife steige, sei gemäss Dirk Werner (Studienautor) fraglich. Wie überall feststellbar, „zeigt der Trend bei Schulabgängern und deren Eltern immer stärker in Richtung Studium“.

Wie bei uns, wenn vielleicht auch weniger, kämpft die Berufsbildung in Deutschland mit einem Imageproblem, so dass jede 4. Lehrstelle nicht besetzt werden kann. Obwohl wir auch in der Schweiz mit unbesetzten Lehrstellen zu kämpfen haben, hat sich bei uns die „höhere Berufsbildung“ als feste Marke etabliert“. In der Schweiz liegt „der Anteil der Schüler, die eine Berufsausbildung machen, bei zwei Dritteln“ – dies sei ein Spitzenwert in Europa. In Deutschland sind es, bei sinkender Tendenz, weniger als die Hälfte.

Obwohl es bei uns momentan besser aussieht, scheinen wir aber gemäss dem Tagi-Artikel „Von Praktikern und Theoretikern“ mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Hier vor allem, dass sich „die Vertreter der beiden Säulen [Berufsbildung und Gymnasium] argwöhnisch gegenüber stehen“. Für die Vertreter der Berufsbildung findet eine Akademisierung dieses Zweiges statt. „Verbale Keulen“ werden geschwungen, dass Unis nur „lebensferne Theoretiker hervorbrächten“, während auf der anderen Seite die akademische Welt die Berufsbildung „mit Nichtbeachtung straft“. Der Autor weist darauf hin, dass beide Wege nötig sind, nur der Ablauf ist unterschiedlich, führt aber beidesmal zu gebildeten Berufspraktikern. „Es ist offensichtlich, dass wir beides brauchen, und zwar in Kombination. Spätestens an der ersten Stelle werden auch Hochschulabsolventen praxistauglich sozialisiert. Immer mehr Lehrabgänger vertiefen ihr theoretisches Rüstzeug später an den Hochschulen oder in der höheren Berufsbildung. Wir sollten die Berufslehre als praktischen Einstieg in die Bildungskarriere verstehen, das Hochschulstudium als theoretischen Einstieg in die Berufspraxis. “

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Abschlüsse der Berufsbildung

Der folgende Blogeintrag ist ein Versuch, die Wirren der verschiedenen Abschlüsse im Berufsbildungsbereich aufzuschlüsseln. Ich lehne mich stark an die Bücher „Unterrichten an Berufsfachschulen“ (Caduff, Mahler, Plüss, 2. Auflage) und „Berufsbildung in der Schweiz“ (Wettstein, Schmid, Gonon, 2. Auflage). Zum Teil sind Formulierungen direkt übernommen, ohne direkt auf das Buch oder die Seite zu verweisen, in der Hoffnung, den Lesefluss nicht zu stören.

Im Berufsbildungsgesetz geregelte Ausbildungen schliessen ab mit:

  • Eidgenössisches Berufsattest (EBA)
  • Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis EFZ
  • Eidgenössischer Fachausweis (FA, nach einer Berufsprüfung)
  • Eidgenössisches Diplom (nach einer höheren Fachprüfung)
  • Diplom HF
  • Berufsmaturität

Die frühere Anlehre wird seit 2005 abgelöst durch eine zweijährige Lehre, welche mit dem eigenössischen Berufsattest (EBA) abschliesst. Der letztmögliche Beginn für eine Anlehre war im Jahre 2014. Seitdem gibt es die altbekannte Anlehre nicht mehr. Das EBA ist immer noch darauf angelegt, Jugendliche mit mehr praktischen Fähigkeiten, einen Karriere weg zu eröffnen. Als Anschluss hat der Jugendliche die Möglichkeit, eine Berufslehre mit Abschluss eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) zu absolvieren. Ob ihm die Lehrjahre des EBAs in irgendeiner Weise angerechnet werden, war für mich nicht ersichtlich.

Das eigenössiche Fähigkeitszeugnis (EFZ) ist der Abschluss einer 3 bis 4 Jahre dauernden Lehre. Für EBZ und EBA stehen ca. 200 mögliche Lernberufe zur Auswahl. Lernende ohne Berufsmaturität können mit einem EFZ und einer gewissen Anzahl Berufsjahre entweder eine Berufs- oder eine höhere Fachprüfung ablegen. Drei Abschlüsse sind zu unterscheiden:

  • Berufsprüfung
  • Höhere Fachprüfung
  • Höhere Fachschule

Bei den höheren Fachschulen sind die Inhalte der Studiengänge vorgegeben, während bei der Berufs- und höhere Fachprüfung ausschliesslich die Prüfung geregelt wird (ausser beim modularen System). Die höheren Fachprüfung gehen auf die früheren Meisterprüfungen zurück. Die höhere Fachschule hat ihren Ursprung in der früheren Technikerschule und die Berufsprüfung ist neu dazugekommen. Es besteht ein Konkurrenzkampf (wohl auch begrifflich) zwischen den höheren Fachprüfungen und den Fachhochschulen.

Eine bestandene Berufsprüfung führt also zum Eidgenössichen Fachausweis (FA), eine höhere Fachprüfung zum Eidgenössischen Diplom und bei der höheren Fachschule zum Diplom HF. Der Abschluss einer Fachhochschule führt zum Bachelor bzw. Master des jeweiligen Studiengangs. Der prüfungsfreie Eintritt in eine Fachhochschule setzt die Berufsmaturität (BM) voraus.

Die höheren Fachschulen halten sich an 33 Rahmenlehrpläne mit insgesamt 52 Fachrichtungen, welche in 400 anerkannten Bildungsgängen münden.

Gemäss Tabelle 1-1 auf Seite 73 (Buch Berufsbildung in der Schweiz) finden wir für höhere Fachschulen 8 Bereiche, während wir bei Fachhochschulen 5 Ausrichtungen finden. Beim Vergleich sind Überschneidungen zu finden (Technik, Wirtschaft, Gestaltung und Kunst, etc.) aber auch Bereiche die nur bei der HF zu finden sind: Tourismus, Gastgewerbe, Verkehr und Transport, etc.

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