Berufsausbildung in Deutschland

Zufällig stolperte ich über den Artikel Das Image-Problem der Lehre im deutschen Handelsblatt. Die Autorin verweist auf Probleme in der deutschen Berufsbildung und schlägt vor einen Blick auf andere Länder zu werfen, wie auch die Schweiz.

Wo hapert es in Deutschland und wo soll es bei uns also besser klappen? Der erste Punkt, ist der bei uns gepriesene Begriff der Durchlässigkeit. Ein gewählter Bildungsweg soll keine Sackgasse darstellen, sondern weitere Möglichkeiten, eine weitere Ausbildung oder Studien anschliessend aufzugreifen. Bei den Gesellen in Deutschland sieht es auf dem Papier ebenso aus, dass nach abgeschlossener Lehre die Hochschule „prinzipiell“ offen steht, aber es stehen drei Jahre an Berufspraxis dazwischen. Der Hochschulzugang gelte dann nur für verwandte Fächer und ob mit der Berufspraxis die Hochschulreife steige, sei gemäss Dirk Werner (Studienautor) fraglich. Wie überall feststellbar, „zeigt der Trend bei Schulabgängern und deren Eltern immer stärker in Richtung Studium“.

Wie bei uns, wenn vielleicht auch weniger, kämpft die Berufsbildung in Deutschland mit einem Imageproblem, so dass jede 4. Lehrstelle nicht besetzt werden kann. Obwohl wir auch in der Schweiz mit unbesetzten Lehrstellen zu kämpfen haben, hat sich bei uns die „höhere Berufsbildung“ als feste Marke etabliert“. In der Schweiz liegt „der Anteil der Schüler, die eine Berufsausbildung machen, bei zwei Dritteln“ – dies sei ein Spitzenwert in Europa. In Deutschland sind es, bei sinkender Tendenz, weniger als die Hälfte.

Obwohl es bei uns momentan besser aussieht, scheinen wir aber gemäss dem Tagi-Artikel „Von Praktikern und Theoretikern“ mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Hier vor allem, dass sich „die Vertreter der beiden Säulen [Berufsbildung und Gymnasium] argwöhnisch gegenüber stehen“. Für die Vertreter der Berufsbildung findet eine Akademisierung dieses Zweiges statt. „Verbale Keulen“ werden geschwungen, dass Unis nur „lebensferne Theoretiker hervorbrächten“, während auf der anderen Seite die akademische Welt die Berufsbildung „mit Nichtbeachtung straft“. Der Autor weist darauf hin, dass beide Wege nötig sind, nur der Ablauf ist unterschiedlich, führt aber beidesmal zu gebildeten Berufspraktikern. „Es ist offensichtlich, dass wir beides brauchen, und zwar in Kombination. Spätestens an der ersten Stelle werden auch Hochschulabsolventen praxistauglich sozialisiert. Immer mehr Lehrabgänger vertiefen ihr theoretisches Rüstzeug später an den Hochschulen oder in der höheren Berufsbildung. Wir sollten die Berufslehre als praktischen Einstieg in die Bildungskarriere verstehen, das Hochschulstudium als theoretischen Einstieg in die Berufspraxis. “

deutsches_bildungssystem

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2 Gedanken zu „Berufsausbildung in Deutschland

  1. omuehlmann

    Lieber Geradebieger
    Interessant, interessant!
    Mich interessiert an dieser Stelle aber auch mal unsere Bildung, unser Bildungsweg und unsere „Lehrstelle“?
    Ich verstehe da die Politik der PH nicht ganz. Wozu bildet die so viele (ca 60 Studenten pro Jahrgang) aus? Da ich momentan intensivste (seit 2 Jahren) auf Stellensuche bin weiss ich, dass die in eben diesen 2 letzten Jahren die ausgeschriebenen Sek 2 Stellen geringer waren als schon allein die Anzahl der Studenten an der PH. Und dann soll es ja noch weitere deutschschweizer PH`s bzw. Ausbildungsstätten geben!
    Wo ist unsere professionelle Betreuung, wo findet das Coaching für uns statt? Wer macht das und wann kommt das in der Ausbildung?
    hmm, bin momentan nicht so optimistisch was das angeht, dennoch finde ich es essentiell, dass so ein wichtiges Thema angesprochen wird und auf den Markt geachtet wird.
    Was meinst du dazu?

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    1. clivecliver Autor

      Dann müssten die PHs ja aussieben? D.h. nur eine beschränkte Anzahl an Studis zulassen, der momentanen Nachfrage entsprechend. Aber dann werden vielleicht ihre Budgets gekürzt und sie können sich die schönen Bauten und teuren Professoren nicht mehr leisten? Ja, es ist eine Krux mit den geringen Lehrer-Stellen. Es hiess mal, dass ein Mangel besteht. Dass viele vor der Pension stehen und sich da eine Lücke auftut. Noch nichts davon gesehen. Leider wird überall gespart. Klassen vollgestopft bis es nicht mehr schön und sinnvoll ist. Vier Stunden mit einer 26er-Klasse durchziehen ist kein Zuckerschlecken und stark an der Spassgrenze. Dann werden auch Vollzeitstellen extrem vorsichtig vergeben. Teilzeit ist in, da es dem Stundenplaner viel Flexibilität gibt – ein Jahr mal eine Stunde mehr und dann wieder ein paar weniger. Ist schön für sie, aber nicht für uns.

      Schlussendlich sind es halt Hochschulen. Da geht es nicht um profane Dinge wie Stellensuche oder Berufsaussichten. Nein, wir turnen auf modernsten Didaktik-Theorien rum und haben es dann aber mit (z.T.) mit Schülern zu tun, die nach der Sekundarschule kaum Prozentrechnen können. Es gibt schon Coaching-Angebote für Lehrer, aber gehört das an die PH? Aber recht hast Du schon – ich würde mir mehr praxisbezogenes wünschen.

      Dass es mehr neue Lehrer hat, als es Stellen ausgeschrieben hat, fördert ja auch den Konkurrenzkampf. Die Besten kriegen was ab und die anderen bleiben auf der Strecke. Aber was ich sonst so mitkriege, geht halt viel unter der Hand weg (obwohl öffentlich ausgeschrieben). Es steht schon vorneweg fest, wer die Stelle kriegt. Also muss ein Lehrer wohl auch netzwerkeln…Nur schade, dass man soviel Zeit und Arbeit in das Studium investiert, wenn am Schluss nix dabei rausschaut. Ist aber auch in anderen Studienrichtungen so.

      Aber als frischgebackener Coach sage ich Dir – es geschehen auch Wunder im Schlaf. Da kommt schon was…

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