Archiv der Kategorie: Berufspaedagogik

Schlussreflexion

Was wird mir über mich und mein Lernen bewusst, wenn ich das E-Portfolio „studiere“?

Mir wird bewusst, dass wir vieles geleistet haben und uns vertieft mit verschiedenen Aspekten der Berufspädagogik auseinandergesetzt haben. Ich kann mich gut an die vielfältigen Methoden des Dozenten erinnern und so wird auch mir bewusst, wie natürlich auch in der Literatur beschrieben, dass Abwechslung und das Einnehmen verschiedener Perspektiven das Lernen unbedingt fördert.

Was habe ich in Bezug auf meine persönlichen Lernziele erreicht?

Ich unterrichte zwar schon länger an einer Berufsschule, habe mich aber zugegebenermassen mit den Themen wie das Berufsbildungssystem der Schweiz wenig auseinandergesetzt. Natürlich schnappt man „On-The-Job“ so einiges auf, aber ich fühlte mich in diesem Bereich eher unsicher. Eines meiner Lernziele war sicherlich mich in diesem Thema besser zurechtzufinden. Dieses habe ich durch das Literaturstudium sowie den Veranstaltungen und verschiedenen Übungen sicherlich erreicht. Ich denke, ich kann einigermassen kompetent zum Thema Bildungssystem Auskunft geben.

Ein weiteres Lernziel war sicherlich, inwieweit man didaktische Anpassungen für SuS in der Berufsbildung vornehmen muss. Vieles wurde besprochen und demonstriert – vieles nehme ich auch aus dem Literaturstudium mit. Die Einführung in Lernjobs und andere Themen hat sicherlich ihr übriges getan, damit ich diesem Lernziel näher gekommen bin. Weiter dazuzulernen muss man natürlich immer.

Wie hat sich meine Motivation im Verlauf der Ausbildung verändert?

Ich kann nicht sagen, dass sie sich stark verändert hat. Mein Wunsch ist immer noch stark, diese Ausbildung erfolgreich abzuschliessen.

Welche persönlichen Faktoren haben mich in meinem Lernprozess gefördert? Welche behindert? Wie bin ich damit umgegangen?

Praktische Erfahrungen als Lehrpersonen helfen sicherlich – ideal natürlich an einer Berufsfachschule. Wissen lässt sich leichter einordnen und „Aha-Effekte“ stellen sich ein. Ich kann mich jetzt nicht mit Klarheit daran erinnern, dass mich etwas persönliches behindert hat. Natürlich stellt sich ab und zu mal ein Motivationstief ein, so geht es wohl jedem, aber dann sage ich mir: nicht grübeln, Kopf runter und weitermachen. Sobald man mit der Arbeit begonnen hat, stellt sich die Motivation und das Interesse meist von selbst wieder her. Und das Produkt belohnt ja auch (meistens).

Welche äusserlichen Faktoren haben mich in meinem Lernprozess gefördert oder behindert?

Mir fällt nur das Stichwort Arbeitslast ein. Unterrichtet man noch nebenbei, studiert noch ECTS-Punkte nach und erbringt in verschiedenen Kursen Leistungsnachweise, wird es manchmal etwas viel: mehr als man am Anfang des Studiengangs erwartet hat. Aber auch da: es zwingt einem niemand dazu. Man kann jederzeit aufhören. Wie stark der Wille und der Wunsch weiterzumachen ist, entscheidet.

Mit welchen Lernstrategien habe ich den Stoff und die Aufgabestellungen in diesem Modul bewältigt?

Ich setze meist die gleichen Lernstrategien ein: grob sichten und Übersicht gewinnen, eine Struktur erstellen (meistens mit Mindmaps), gezielt lernen und Erkenntnisse mit Zusammenfassungen sichern.

Welche Lernstrategien und- Techniken konnte ich erfolgreich einsetzen, was hat sich weniger bewährt und weshalb?

(siehe oben)

Welche Folgerungen in Bezug auf das persönliche Lernen ziehe ich für weitere Lernprozesse?

Ich kann leider nicht sagen, dass sich meine Lernprozesse für mich bewusst verändert haben. Sicherlich gibt es hier und da kleine Anpassungen: aber die habe ich nicht direkt wahrgenommen. Meine Lernstrategien haben mich bis hier und heute begleitet und meist als erfolgreich herausgestellt. Deshalb ist es schwierig für mich, Gründe zu finden, diese momentan irgendwie anzupassen.

Welche Kompetenzen konnte ich erweitern, ergänzen? Welche neu erwerben?

Ich denke, v.a. im Lerncoaching habe ich einiges dazugelernt. Auch die Nutzung der vorhandenen Ressourcen bezüglich Berufsbildung konnte ich durch den Veranstaltungsbesuch sicherlich verbessern. Ich finde mich besser zurecht und weiss nun eher, wo ich welche Informationen zu welchen Berufen finden kann.

Neue Kompetenzen möchte ich sicherlich in der Unterstützung von SuS „ausserhalb“ des normalen Unterrichts erwerben. Wenn es darum geht, sie bei Lernschwierigkeiten oder sonstigen Problemen zu unterstützen. Auch wenn ich mich da sicherlich noch als stark unterqualifiziert einstufe, konnte mir die Veranstaltung die Richtung zeigen, wohin ich mich bewegen muss, um mich zu verbessern.

Ich habe sicher Kompetenzen in der Unterrichtsgestaltung dazugewonnen. Visual Facilitating, v.a. als Advance Organizer, setze ich nun im Unterricht ein und gestalte das Whiteboard mit den Lernzielen des Tages entsprechend.

Auch die vertiefte Auseinandersetzung mit den Lernjobs gab mir ein weiteres, vielversprechendes Werkzeug an die Hand, um in Zukunft, den Unterricht abwechslungsreicher zu gestalten. Im Zusammenhang mit V&V im kaufmännischen Bereich setzen wir schon eine Art Lernjob ein, aber die Tips aus den Präsenzveranstaltungen helfen mir, die Auftragsstellungen weiter zu verfeinern.

Sehr interessant war auch das MOOC Moodle. Obwohl ich es öfters als User benutzt habe, war dies das erste Mal, indem ich auch als Admin zum Zuge kam. So begeistert ich auch von dem Tool bin, hat es doch Einschränkungen, welche mich enttäuschen. Man kann z.B. kein „Repository“ anlegen, mit Topics, die man in verschiedenen Unterrichtssequenzen immer mal wieder einsetzen möchte. Es geht sicherlich irgendwie mit Import und Export, doch stellt sich das im beruflichen Alltag als fehleranfällig und mühsam heraus. Weiter habe ich es bis heute nicht rausgekriegt, wie man das Schweizer Notensystem anwenden kann – aber diese Option versteckt sich vielleicht einfach gut vor mir.

Wie hat sich der Lernprozess auf meine Unterrichtspraxis ausgewirkt?

Wie vorher erwähnt, setze ich Visual Facilitating nun als Advance Organizer ein, um die Tagesziele der Unterrichtssequenz attraktiver zu gestalten. Durch die Exkursionen wurde mir auch der Berufsalltag der Lernenden näher gebracht – es interessiert mich nun noch mehr als früher, was die Lernenden in der Praxis erleben und wie es ihnen dabei geht. Den Unterricht versuche ich, noch mehr als früher, auf ihre Arbeitswelt auszurichten, in der Hoffnung, dass sich der Lerneffekt verbessert.

Was ich auf jeden Fall verbessern möchte, ist der Einsatz der verschiedenen Online-Tools (z.B. Kahoot). Die Tools, welche Mitstudenten, v.a. bei den Einstimmungen verwendeten, fand ich spannend und mir kamen jeweils gleich Ideen für den eigenen Unterricht. Das Modul hat mir sicherlich geholfen, meinen Horizont in dieser Richtung zu erweitern.

Was ist mir in Bezug auf meine LehrerInnenrolle bewusst geworden?

Durch das Lerncoaching und die lösungsorientierte Heransgehensweise ist mir sicherlich (nochmals) bewusst geworden, dass es meine Rolle ist, die SuS «irgendwo» hinzuführen. Sei es fachlich oder, bei Problemen, hin zu einer Lösung. Auch wenn letzteres noch auf wackligen Beinen steht.

Was sind meine zentralen Erkenntnisse zu den Themen: Lernen, Didaktik, Kommunikation, LernCoaching, Leitungsrolle, Neue Medien, Lernplattformen, E-Portfolio usw.?

Meine zentralen Kenntnisse sind, dass es eine Vielzahl von Methoden und Tools gibt, die die Lehrertätigkeit unterstützen. Natürlich sollten sie eingebettet in einen didaktischen Plan angewendet und nicht rein zum Selbstzweck verwendet werden. Durch die neuen Themen, welche ich kennenlernen durfte, wurde mir wieder bewusst, dass v.a. im Lehrerberuf das Stichwort «lebenslanges Lernen> zentral ist.

Wie umschreibe ich mein Lehrverständnis, meine Rolle? Was hat sich daran verändert? Was möchte ich in Zukunft verändern?

Ich habe mich, und tue dies auch weiterhin, mehr als Coach gesehen: neben der traditionellen Lehrer-Rolle des Classroom-Managements. Mir ist es wichtig, zuerst eine gewisse Lernatmosphäre im Schulraum zu herzustellen und dann mittels selbständig organisiertem Lernen, die SuS „bei Laune zu halten“ und sie zu motivieren: ich agiere im Hintergrund als Coach und mache auch immer wieder auf das Ziel aufmerksam.

Mein Lehrverständnis hat sich durch das BP-Modul nicht revolutionär geändert. Mir wurden Werkzeuge an die Hand gegeben, um mich in dieser Richtung weiterzuentwickeln. Die vermehrte Auseinandersetzung mit der beruflichen Welt der Lernenden hat sicher meine Perspektive und Annahmen verändert. Die Exkursionen und die vertiefte Auseinandersetzung mit einigen Bildungswegen, haben mir noch mehr als vorher gezeigt, auf was ich die SuS eigentlich vorbereite und was genau meine Rolle als Lehrperson ist.

In Zukunft möchte ich noch mehr als jetzt, den beruflichen Alltag in meine Unterrichtspraxis miteinbeziehen, so dass der Lernort Schule nicht als nur als notwendiges, mühsames Beigemüse empfunden wird, sondern den SuS tatsächlich aufzeigt, was die schulischen Lernanstrengungen für Auswirkungen auf ihre Berufspraxis mitbringen.

Was sind meine nächsten Lernschritte?

Ganz profan: ich werde mich vermehrt nun auf die Modulprüfung vorbereiten. Ich habe noch ein weiteres Jahr Studien vor mir: meine Perspektive ist deshalb momentan sehr eng und fokussiert auf den weiteren Verlauf.

Was ich sonst noch zu sagen habe zu diesem BP-Modul

Das BP-Modul ist sicher ein sehr interessantes und facettenreiches Modul. Auch das der „Unterricht“ ab und zu ausserhalb durch Exkursionen stattfand, hat dazu beigetragen, dass es selten langweilig wurde. Ich hätte mir noch mehr die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Lehrplänen und das Herunterbrechen auf den Unterricht gewünscht. Nicht spezifisch, sondern allgemein vermittelt. Welche Grundsätze sind bei der beruflichen Bildung besonders zu beachten? Wie unterscheidet sich dieser vom gymnasialen Unterricht? Das Kennenlernen verschiedener Tools hat sicherlich meinen Horizont erweitert und mich dazu befähigt, meinen Unterricht weiter zu verfeinern. Sicherlich liegen die Interessen aller Teilnehmer verschieden, doch finde ich, dass ein gutes Mass gefunden wurde, so dass alle etwas für ihren beruflichen Alltag mitnehmen konnten.

Bildungssystem Schweiz

Ein nächster Versuch, das Bildungssystem der Schweiz zusammenzufassen. V.a. im Hinblick auf die anstehende Modulprüfung in ein paar Wochen. Vieles ist aus den zwei prüfungsrelevanten Büchern entnommen „Unterrichten an Berufsfachschulen“ (Claudio Caduff et. al.) und „Berufsbildung in der Schweiz“ (Emil Wettstein u.a.).

Das Schweizerische Bildungssystem

Das schweizerische Bildungswesen zeichnet sich aus durch:

  • eine hohe Durchlässigkeit: Es gibt verschiedene Wege, in eine Ausbildung oder Schule ein- oder überzutreten oder eine Ausbildung nachzuholen,
  • einen offenen Zugang zu den verschiedenen Bildungsangeboten: Wer über die notwendigen Qualifikationen verfügt, kann grundsätzlich die Ausbildung seiner Wahl absolvieren, bei den Hochschulen kann auch der Ausbildungsort frei gewählt werden. Eine gewisse Einschränkung besteht im Bereich der Berufsbildung aufgrund des Lehrstellenangebotes. An einigen universitären Hochschulen gilt ein Numerus clausus für einzelne Fächer.

Quelle: Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren

Das heisst, über verschiedene Wege und Umwege, sind Abschlüsse auf der Sek II- und Tertiärstufe erreichbar.

grafik_bildung_d-1

Zuständigkeitsbereiche

Die Bildung ist föderalistisch organisiert. Der Bund, die Kantone und Gemeinden teilen sich verschiedene Aufgaben. Interessant für den Lehrplan 21 und Harmos ist besonders, dass die Organisation der obligatorischen Schule bei den Kantonen und Gemeinden liegt. D.h. mit Kinder von einem Kanton in einen anderen zu ziehen, kann manchmal mühsame Konsequenzen haben, da die Systeme nicht kompatibel sind.

zustaendigkeitsbereiche_640_0

Die Regierung und ihre Departemente

bundesrat

Das SBFI gehört zum Departement für Wirtschafts, Bildung und Forschung (WBF).

sbfi

Im SBFI befinden sich die Ämter, welche für uns relevant sind:

  • Berufliche Grundbildung und Maturitäten
  • Höhere Berufsbildung
  • Hochschulen

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Als Beispiel die Organisation des Mittelschul- und Berufsbildungsamtes Zürich. Wie oben erwähnt, verfügt jeder Kanton über sein eigenes Amt und Organisation.

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Abschlüsse auf Ebene Sekundarstufe II

  • EFZ (3-4 Jahre)
    • Zugang zu Berufsprüfungen, Höheren Fachprüfungen, Höheren Fachschulen und mit Berufsmatura zu Fachhochschulen.
  • EBA (2 Jahre)
    • Für praktisch begabte Jugendliche gedacht
    • Einstieg ins Erwerbsleben
    • Übertritt in eine drei- oder vierjährigen Grundbildung.
  • Berufsmaturität
    • Berufliche Grundbildung mit erweiterter Allgemeinbildung
    • Doppelte Qualifikation: Sie haben einen Beruf und können sich auf dem Arbeitsmarkt präsentieren.
    • Berechtigt zur Zulassung zur ersten Studienstufe (Bachelor) der Fachhochschulen.
  • Fachmaturität
    • Zugang im gewählten Studiengebiet den Zugang zu einer Schweizer Fachhochschule
    • Fachmaturität im Profil ihrer Wahl. Direkter Zugang zu den Studien innerhalb des Berufsfeldes.
  • Gymnasiale Maturität
    • Zugang Hochschulen
    • Mit Berufspraktika auch Besuch beruflicher Schulen möglich

Berufs- und höhere Fachprüfungen

  • Berufs- und höhere Fachprüfung ausschliesslich Prüfung geregelt
  • Zulassungsbedingung: meist ein bestimmtes EFZ und immer eine bestimmte Dauer von Berufserfahrung
  • Interessierte regeln Prüfungsvorbereitung selbst
  • Ausser beim modularen System: erfolgreiche Besuche bestimmter Kurse oder gleichwertige Abschlüsse als Zulassungsbedingung
  • Eidgenössischer Fachausweis nach bestandener Berufsprüfung („Bergführer mit eidge-nössichem Fachausweis“)
  • Eidgenössisches Diplom nach bestandener höherer Fachprüfung („Diplomierter Meis-terlandwirt“)
  • Titel sind geschützt, Name der Träger veröffentlicht, SBFI führt Register

Höhere Fachschulen

  • Junger Schultyp der höheren Berufsbildung
  • Brückenfunktion zwischen Theorie und Praxis
  • Meist 3‘600 Lernstunden, bauen auf EFZ auf
  • Vollzeitstudium oder berufsbegleitend
  • CH: 33 RLPs mit insgesamt 52 Fachrichtungen
  • HF-Abschlüsse in letzten Jahren stark zugenommen
  • Rahmenlehrpläne HF, Seite 73
  • Fachschule monetär höher bewertet als Fachhochschulen, trotzdem Fachschule „Mau-erblümchen“ weil kein international anerkannter Abschluss (Diplom anstatt Bachelor, Master), Forderung nach international kompatibler Titel
  • Finanzierung: HF-Studierende zahlen deutlich mehr als Studierende der Fachhochschule
  • Klare Abgrenzung der Titel: z.B. dipl. Pflegefachfrau HF bzw. Bachelor of Science in Pflege FH)

Fachhochschulen

  • 1995: aus höheren Fachschulen hervorgegangen
  • Berufsmaturität, allenfalls Eignungsprüfung
  • V.a. berufliche Grundbildung, aber auch gymnasiale Maturität mit fachbezogenen Be-triebspraktikum
  • CH: 7 öffentliche, 2 private FHs
  • Bachelor, Master: gleichwertig, aber andersartig
  • Stärker berufspraktisch, weniger grundlagenorientiert

Berufsbildung an den Hochschulen

  • Meist: Bildungsmassnahmen im Rahmen der Sek II
  • Aber: Viele Berufsbildungen erst nach Sek II (postsekundäre Ausbildung, Rahmen der Tertiärstufe A oder B)
  • Berufsqualifizierende Ausbildungen, zu deren Zulassungskriterien die Hochschulreife gehört und die eine erste Berufsqualifikation zum Ziel haben
  • Umfassen mehrere Stufen, Berufsqualifizierung baut auf Studium der wissenschaftlichen Disziplin auf

Einige Typen

  • Fachspezifische Ausbildung an Universität (Rechtsanwalt, Pfarrerin, etc.)
  • Nicht unbedingt fachspezifische Ausbildung an Uni (wissenschaftliche Bibliothekarin, wissenschaftl. Journalist, etc.)
  • Beginn einer fachspezifischen Ausbildung an Uni und nach Abschluss fortgesetzt (Arzt, Mittelschullehrer, etc.)
  • Berufe, die mit abgeschlossener universitärer Bildung erlernt werden (HR-Managerin, Controller, etc.)
  • Aufbauend auf einem Mittelschulbesuch, an Fachhochschule studiert (Dolmetscher, Fachjournalist, etc.)
  • Studiengänge von pädagogischen Hochschulen: Lehrpersonen der Primarschulen, Sek I und Sek II

Pädagogische Hochschulen

  • Eigene Gruppe in Bildungssystematik
  • Pädagogische Hochschulen und weitere Institution der Lehrerbildung
  • Eidgenössische Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB IFFP IUFFP)
  • Eidgenössische Hochschule für Sport Magglingen (EHSM)

Berufsbildung

  • Berufsbildung auf Sekundärstufe II und Tertiärstufe angesiedelt
  • Hohe Durchlässigkeit
  • Über 200 Lernberufe
  • CH: eine der tiefsten Jugendarbeitslosigkeit in Europa (direkter Bezug zur Arbeitswelt)
  • Anschluss an Bildungsangebote der berufsbildenden Tertiärstufe (Tertiär B, A – Uni, ETH, Fachhochschulen)
  • BM direkter Zugang zu Fachhochschulen (Ausnahme pädagogische)

Zusammenarbeit zwischen Staat und OdA

In der beruflichen Bildung spielen die Organisationen der Arbeitswelt (OdA) eine gewichtige Rolle. Meist Berufsverbände arbeiten eng mit dem Staat (Bund und Kanton) zusammen, um neue Ausbildungstypen zu definieren und den Ausbildungsweg vorzuschlagen. Dies mündet darin, dass der Staat Gesetze und Verordnungen erlässt und der Kanton diese vollzieht. So werden z.B. die Rahmenlehrpläne vom SBFI definiert (in Zusammenarbeit mit den OdA).

staat_oda

Strategische Zusammenarbeit zwischen drei Partnern

  • Bund – Staatsekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI)
    • Ausführungsorgan des Bundes
    • Strategische Steuerung und Entwicklung Berufsbildung
    • Qualitätssicherung und Weiterentwicklung des Gesamtsystems
    • Erlass der über 200 Verordnungen
    • Anerkennung von Bildungsangeboten der höheren Berufsbildung
    • Berufsbildung und Technologie (BBT) per 1.1.2013 in SBFI aufgegangen
  • Kantone
    • Vollzug (Umsetzung und Aufsicht der Berufsbildung)
    • 26 kantonale Berufsbildungsämter Vollzugsorgane auf kantonaler Ebene
    • Zuständig: Lehraufsicht, Berufsfachschulen und schulische Vollzeitangebote, Berufsinformation- und Berufsberatungsstellen und Lehrstellenmarketing
    • Koordination: Schweizerische Berufsbildungsämter-Konferenz (SBBK), Fachkonferenz von Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK).
  • Organisation der Arbeitswelt (OdA)
    • Definieren Bildungsangebote
    • Ausbildungsplätze
    • Entwicklung neuer Bildungsangebote
    • Berufsverbände, Sozialpartner, etc.
    • Beteiligung an Berufsbildung freiwillig

Triale Berufsbildung

  • Betrieb: klassische berufliche Grundbildung (Lehre), kleinere Betriebe Zusammenschluss in Lehrbetriebsverbund
  • Berufsfachschulen: schulische Bildung
    • Beruflicher und allgemeinbildender Unterricht
    • Auch schulische Vollzeitangebote
  • Überbetriebliche Kurse: ergänzend, Vermittlung und Erwerb grundlegender Fertigkeiten, brancheneigenen Lernzentren

Die Berufsmaturität

  • Vorteile der Berufsmaturität aus Sicht der Berufsbildung
    • Bildungsangebot: Anerkennung beruflicher Grundbildung gestiegen
    • Praxis und anspruchsvolle Bildung
    • Brachliegende Potenziale (auch für „Spätzünder“)
    • Weiterbildung: höher Bildungsniveau, desto höher Bereitschaft zur Weiterbildung
    • Berufsbildung als Tätigkeitsgebiet
    • Verschiedene Organisationsformen: BM1 oder BM2
    • Eidgenössische Berufsmaturitätsprüfung: autodidaktische Vorbereitung
  • Warum wählen Jugendliche eine Berufslehre mit Berufsmaturität?
    • Fachhochschulstudium: prüfungsfreier Eintritt, praxisorientierte Alternative zum Gymnasium
    • Berufschancen und materielle Vorteile
    • Passarelle BM – universitäre Hochschulen. Ergänzungsprüfung
    • Andere Hochschulstudiengänge

Die rechtlichen Vorgaben

  • Grundlage Rahmenlehrplan für die Berufsmaturität (RLP-BM) ist Verordnung über die eidgenössische Berufsmaturität (BMV) 2009.
    • Bildungsumfang
    • Stundenanzahl
    • Unterrichtsaufbau
    • Organisation
    • Notengebung, Promotionsbestimmung und Berufsmaturitätsprüfung

Ausrichtung der BM

  • Orientierung in erster Linie am Ziel zur Befähigung zum Studium an Fachhochschule
  • Ausrichtung wird im Notenausweis aufgeführt
    • Technik, Architektur, Life Sciences
    • Natur, Landschaft und Lebensmittel
    • Wirtschaft und Dienstleistungen
    • Gestaltung und Kunst
    • Gesundheit und Soziales

Berufsbildungsverantwortliche

  • Berufsbildnerinnen und Berufsbildner in Lehrbetrieben,
  • Berufsbildnerinnen und Berufsbildner in überbetrieblichen Kursen und vergleichbaren dritten Lernorten, in Lehrwerkstätten und anderen für die Bildung in beruflicher Praxis anerkannten Institutionen,
  • Lehrpersonen für die schulische Grundbildung (für die berufskundliche Bildung, den allgemeinbildenden Unterricht oder den Sportunterricht)
  • Lehrpersonen für die Fächer der Berufsmaturität,
  • Lehrpersonen an höheren Fachschulen
  • Die fachlichen und berufspädagogischen Vorgaben zur Bildung sowie über die betriebliche Erfahrung von Berufsbildungsverantwortlichen sind im Kapitel 6 (Art. 45 – 48 BBG) des Berufsbildungsgesetzes sowie in den Artikeln 40 bis 54 der Verordnung über die Berufsbildung definiert.

Berufsschullehrer/in

  • Berufsfachschullehrer/innen unterrichten an kaufmännischen, gewerblich-industriellen, land- und forstwirtschaftlichen Berufsfachschulen sowie an Berufsfachschulen im Gesundheitsbereich.
  • Unterscheidung Berufsfachschullehrern/-innen für Berufskunde und Berufsfachschullehrern/-/innen für Allgemeinbildung.
  • Berufskundliche Fächer werden von Fachleuten mit dem höchsten berufsfeldbezogenen Abschluss (Höhere Fachprüfung, Höhere Fachschule oder Fachhochschule) unterrichtet. Fächer der allgemeinbildenden Richtung unterrichten Lehrpersonen mit einem universitären Hochschulabschluss. Der allgemein bildende Unterricht an Berufsfachschulen umfasst die Lernbereiche Sprache / Kommunikation und Gesellschaft. Alltagsnah und interdisziplinär werden darin Aspekte wie Arbeit und Ausbildung, Ethik, Identität und Sozialisation, Kultur, Ökologie, Geschichte und Politik, Recht, Technologie und Wirtschaft behandelt – themenorientiert, fächerübergreifend und mit ganzheitlichem Ansatz. Von zentraler Bedeutung ist die Ausrichtung auf die Berufspraxis.
  • Für alle Berufsfachschullehrerinnen und -lehrer gilt, dass sie eine Zusatzausbildung vorweisen müssen, welche ihre Erstausbildung um berufspädagogisch-didaktische Kompetenzen ergänzt. Diese kann am Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB) in Zollikofen/BE, an der PH Zürich, Abteilung Sekundarstufe II / Berufsbildung (PHZH) oder an der Pädagogische Hochschule des Kt. St. Gallen (PHSG ) absolviert werden. Die anderen PH, sowie die Universität Freiburg bieten in Zusammenarbeit mit dem EHB die Möglichkeit, das Lehrdiplom für Maturitätsschulen mit integrierter berufspädagogischer Qualifikation zu erwerben. Weitere Informationen finden sich auf denr Websites der entsprechenden Ausbildungsinstitution (z.B. Website der PHBern).
  • An fast allen Schulen mit Berufs- und Fachmaturitätsausbildungen können auch Lehrpersonen mit einem Abschluss für die Sekundarstufe II unterrichten. Insbesondere gilt dies für Lehrerinnen und Lehrer für Wirtschaft und Recht an kaufmännischen Berufsfachschulen. Ansonsten benötigen Personen mit einer Lehrbefähigung für Maturitätsschulen – sofern sie über die Empfehlung einer Berufsmaturitäts- oder Berufsfachschule verfügen – eine berufspädagogische Zusatzqualifikation, um eine Lehrbefähigung für Berufsfachschulen zu erhalten.
  • Oft ein Zweitberuf
  • Nicht selten ist Berufsfachschullehrer/in ein Zweitberuf. Meist sind die Lehrpersonen zunächst nebenamtlich an einer Berufsfachschule tätig und bilden sich mit dem Ausbau ihres Pensums entsprechend weiter.

Art. 46 BBG

  • Lehrkräfte für die schulische Grundbildung und die Berufsmaturität verfügen über eine Lehrbefähigung für die Sekundarstufe II mit folgenden Qualifikationen:
    • berufspädagogische Bildung auf Hochschulstufe;
    • Fachbildung mit einem Abschluss auf Tertiärstufe;
    • betriebliche Erfahrung von sechs Monaten.
  • Die Lehrbefähigung für berufskundliche Bildung setzt voraus:
    • einen entsprechenden Abschluss der höheren Berufsbildung oder einer Hochschule;
    • eine berufspädagogische Bildung von:
      • 1800 Lernstunden bei hauptamtlicher Tätigkeit,
      • 300 Lernstunden bei nebenamtlicher Tätigkeit.
  • Für das Erteilen von allgemeinbildendem Unterricht, von Sportunterricht oder von Fächern, die ein Hochschulstudium voraussetzen, ist erforderlich:
    • eine Lehrbefähigung für die obligatorische Schule, ergänzt durch eine Zusatzqualifikation für allgemeinbildenden Unterricht beziehungsweise für Sportunterricht gemäss dem entsprechenden Lehrplan sowie eine berufspädagogische Bildung von 300 Lernstunden; oder
    • eine entsprechende gymnasiale Lehrbefähigung, ergänzt durch eine berufspädagogische Bildung von 300 Lernstunden; oder
    • ein entsprechendes Hochschulstudium, ergänzt durch eine berufspädagogische Bildung von 1800 Lernstunden.1

Tools für Concept Maps

Wir beschäftigen uns gerade intensiv mit Concept Maps, deren Eigenheiten und Erstellung. Natürlich interessiert es mich als IT-affinen, welche Tools für Concept Maps zur Verfügung stehen.

  • CMaps scheint eines der bekannteren zu sein.
  • XMind, obwohl eher für Mind Maps gedacht, kann auch dazu verwendet werden, um Concept Maps zu erstellen.
  • Visone, bei der die Uni Konstanz mitwirkte.
  • yEd von yWorks, auf Java basierend, welches weit mehr Graphen als Concept Maps beherrscht.
  • Auf Wikipedia findet man eine ganze Auflistung von verschiedenen Tools.

Bei den ersten Probeläufen mit den Tools ist es wohl mit vielem: vieles gefällt, vieles funktioniert nicht so wie man es sich vorstellt. Z.B. kleben die Pfeile bei CMaps an den ausgewählten Ecken der Nodes, auch wenn man einen Node verschiebt und der Pfeil sich logischerweise an einen anderen Anker andocken sollte. Das tut er nicht! Ich muss den Andockpunkt manuell anpassen. Sehr mühsam bei grossen Maps, bei welchem man die Anordnung oder das Layout ändern möchte.

yEd von yWorks scheint dort auch nicht mehr auf dem Kasten zu haben, aber es lässt viel mehr Konfigurationen zu und erlaubt auch Container bzw. Gruppierung von Knoten, wenn man das den möchte. Das Schöne an yEd ist jedoch, dass man das Concept Map auch zuerst in Excel erstellen kann und yEd dann als Tool zur Darstellung braucht.

Z.B. wird eine solche Excel-Tabelle

excel

durch Import in yEd zu solch einer Map gerendert.

yed

Aber es wird schwierig, bei einer grossen Objektmenge die Übersicht zu behalten. yEd unterstützt aber auch verschiedene Graph-Model-Sprachen, wie auch GML. Ein Beispiel aus Wikipedia:

graph [
 comment "Das ist ein Beispielgraph."
 directed 1
 id 42
 label "Graph"
 node [
 id 1
 label "A"
 weiteresAttribut 42
 ]
 node [
 id 2
 label "B"
 weiteresAttribut 43
 ]
 node [
 id 3
 label "C"
 weiteresAttribut 44
 ]
 edge [
 source 1
 target 2
 label "Kante AB"
 ]
 edge [
 source 2
 target 3
 label "Kante BC"
 ]
 edge [
 source 3
 target 1
 label "Kante CA"
 ]
]

wird in yEd so dargestellt:

yed2

Wer ansonsten schon mit gerichteten oder ungerichteten Graphen zu tun hatte, wird um Graphviz nicht herumkommen. Ein gerichteter Graph (hier ein Concept Map), das so in Graphviz modelliert wird

digraph G {
 BS [label="Berufsschule"];
 BSL [label="Berufsschullehrer"]
 DL [label="Drei Lernorte"]
 LL [label="Lehrling"]
 UK [label="ÜK"]
 LL -> Lehre [label="absolviert"]
 LL -> DL [label="besucht"]
 Lehre -> DL [label="hat"]
 DL -> BS [label="beinhaltet"]
 DL -> UK [label="beinhaltet"]
 DL -> Betrieb [label="beinhaltet"]
 BS -> BSL [label="beschäftigt"]
 BS -> "Stützkurse" [label="bietet", labelfloat=true]
 Kurscenter -> UK [label="bieten an"]
 CYP -> Kurscenter [label="ist ein"]
}

wird durch dot und den Befehl

dot -Tpdf test.dot -o test.pdf

zu einem solchen Graphen gerendert:

dot

Leider sind die Labels z.T. nicht einfach den Pfeilen zuzordnen. Auch hier: je komplexer das Concept Map, desto weniger sind die Modellierungssprachen geeignet. Besser scheint ein visuelles Tool den Job zu erledigen, wenn auch nicht alles so klappt, wie man das gerne hätte.

Fallstudien

In der letzten Sitzung präsentierten die Gruppen die Ergebnisse ihrer Fallstudien. Es ging darum, einen Lehrberuf vertieft zu bearbeiten. Ein paar Fallstudien waren in den Fragestellungen gleich oder ähnlich, andere unterschieden sich. Mit der Fallstudie hatte jeder ein Rollenspiel durchzuführen, wie z.B. ein Bewerbungsgespräch oder ein Mitarbeitergespräch ablaufen könnte.

präsentation

Jedem gemeinsam war auch, dass es galt herauszufinden, was nötig ist, um ein Lehrbetrieb zu werden. Im Kanton Aargau sind es z.B. folgende Punkte:

  • Interne Ausbildungsverantwortung: es muss eine Person bestimmt werden, welche die Verantwortung für die Ausbildung übernimmt. Diese muss einen Berufsbildner-Kurs absolvieren, welcher mindestens 40 Lektionen dauern muss.
  • Bildungsbewilligung: beim Amt muss eine Bildungsbewilligung beantragt werden. Ein Betriebsbesuch des Amtes entscheidet mitunter, ob diese Bewilligung erteilt wird.
  • Organisation: die Ausbildung muss organisiert und geplant sein. Verschiedene Hilfen und Checklisten stehen für verschiedene Branchen und Lehrgänge zur Verfügung. Die Planung muss in einem Handbuch festgehalten werden.

Ebenfalls mussten alle für ihren spezifischen Lehrgang, verschiedene weitere Informationen recherchieren (Lehrplan, Bildungsverordnung, etc.) Eine gute Anlaufstelle fand ich die Website www.berufsberatung.ch, welche für alle (?) möglichen Ausbildungen die nötigen Informationen bereitstellt.

Visual Facilitating wurde eingesetzt, um Poster für die Präsentation zu erstellen, welche später auch in einem Schönheitswettbewerb prämiert werden. Einige Beispiele…

Buchhändler/in EFZ

buchhaendler

Tierpfleger/in EFZ

tierpfleger

Produktionsmechaniker/in EFZ

produktionsmechaniker

Allen gemeinsam war auch eine abschliessende Auswertung der Zusammenarbeit, der Eignung von Fallstudien für den eigenen Unterricht und mögichen Einsatzorten. Eine Seite mit verschiedenen Infos zu Fallstudien/Case Studies findet sich hier oder auf dem Lehrerfortbildungsserver, wo auch Phasen und Beispiele aufgeführt werden.

Meiner Meinung nach, sind Fallstudien geeignet, die Lernenden dazu anzuleiten, einen möglichsten grossen Blickwinkel auf den „Case“ auszuüben. Wenn ein Thema von verschiedenen Seiten aus betrachtet wird, stellt sich sicher ein grösserer Lerneffekt ein, als wenn nur einseitig eine Problemstellung analysiert wird. Da Fallstudien ihren Ursprung in der Realität suchen, ist sicherlich auch das Interesse grösser, wenn ein Praxisbezug gegeben ist.

Berufsausbildung in Deutschland

Zufällig stolperte ich über den Artikel Das Image-Problem der Lehre im deutschen Handelsblatt. Die Autorin verweist auf Probleme in der deutschen Berufsbildung und schlägt vor einen Blick auf andere Länder zu werfen, wie auch die Schweiz.

Wo hapert es in Deutschland und wo soll es bei uns also besser klappen? Der erste Punkt, ist der bei uns gepriesene Begriff der Durchlässigkeit. Ein gewählter Bildungsweg soll keine Sackgasse darstellen, sondern weitere Möglichkeiten, eine weitere Ausbildung oder Studien anschliessend aufzugreifen. Bei den Gesellen in Deutschland sieht es auf dem Papier ebenso aus, dass nach abgeschlossener Lehre die Hochschule „prinzipiell“ offen steht, aber es stehen drei Jahre an Berufspraxis dazwischen. Der Hochschulzugang gelte dann nur für verwandte Fächer und ob mit der Berufspraxis die Hochschulreife steige, sei gemäss Dirk Werner (Studienautor) fraglich. Wie überall feststellbar, „zeigt der Trend bei Schulabgängern und deren Eltern immer stärker in Richtung Studium“.

Wie bei uns, wenn vielleicht auch weniger, kämpft die Berufsbildung in Deutschland mit einem Imageproblem, so dass jede 4. Lehrstelle nicht besetzt werden kann. Obwohl wir auch in der Schweiz mit unbesetzten Lehrstellen zu kämpfen haben, hat sich bei uns die „höhere Berufsbildung“ als feste Marke etabliert“. In der Schweiz liegt „der Anteil der Schüler, die eine Berufsausbildung machen, bei zwei Dritteln“ – dies sei ein Spitzenwert in Europa. In Deutschland sind es, bei sinkender Tendenz, weniger als die Hälfte.

Obwohl es bei uns momentan besser aussieht, scheinen wir aber gemäss dem Tagi-Artikel „Von Praktikern und Theoretikern“ mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Hier vor allem, dass sich „die Vertreter der beiden Säulen [Berufsbildung und Gymnasium] argwöhnisch gegenüber stehen“. Für die Vertreter der Berufsbildung findet eine Akademisierung dieses Zweiges statt. „Verbale Keulen“ werden geschwungen, dass Unis nur „lebensferne Theoretiker hervorbrächten“, während auf der anderen Seite die akademische Welt die Berufsbildung „mit Nichtbeachtung straft“. Der Autor weist darauf hin, dass beide Wege nötig sind, nur der Ablauf ist unterschiedlich, führt aber beidesmal zu gebildeten Berufspraktikern. „Es ist offensichtlich, dass wir beides brauchen, und zwar in Kombination. Spätestens an der ersten Stelle werden auch Hochschulabsolventen praxistauglich sozialisiert. Immer mehr Lehrabgänger vertiefen ihr theoretisches Rüstzeug später an den Hochschulen oder in der höheren Berufsbildung. Wir sollten die Berufslehre als praktischen Einstieg in die Bildungskarriere verstehen, das Hochschulstudium als theoretischen Einstieg in die Berufspraxis. “

deutsches_bildungssystem

Abschlüsse der Berufsbildung

Der folgende Blogeintrag ist ein Versuch, die Wirren der verschiedenen Abschlüsse im Berufsbildungsbereich aufzuschlüsseln. Ich lehne mich stark an die Bücher „Unterrichten an Berufsfachschulen“ (Caduff, Mahler, Plüss, 2. Auflage) und „Berufsbildung in der Schweiz“ (Wettstein, Schmid, Gonon, 2. Auflage). Zum Teil sind Formulierungen direkt übernommen, ohne direkt auf das Buch oder die Seite zu verweisen, in der Hoffnung, den Lesefluss nicht zu stören.

Im Berufsbildungsgesetz geregelte Ausbildungen schliessen ab mit:

  • Eidgenössisches Berufsattest (EBA)
  • Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis EFZ
  • Eidgenössischer Fachausweis (FA, nach einer Berufsprüfung)
  • Eidgenössisches Diplom (nach einer höheren Fachprüfung)
  • Diplom HF
  • Berufsmaturität

Die frühere Anlehre wird seit 2005 abgelöst durch eine zweijährige Lehre, welche mit dem eigenössischen Berufsattest (EBA) abschliesst. Der letztmögliche Beginn für eine Anlehre war im Jahre 2014. Seitdem gibt es die altbekannte Anlehre nicht mehr. Das EBA ist immer noch darauf angelegt, Jugendliche mit mehr praktischen Fähigkeiten, einen Karriere weg zu eröffnen. Als Anschluss hat der Jugendliche die Möglichkeit, eine Berufslehre mit Abschluss eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) zu absolvieren. Ob ihm die Lehrjahre des EBAs in irgendeiner Weise angerechnet werden, war für mich nicht ersichtlich.

Das eigenössiche Fähigkeitszeugnis (EFZ) ist der Abschluss einer 3 bis 4 Jahre dauernden Lehre. Für EBZ und EBA stehen ca. 200 mögliche Lernberufe zur Auswahl. Lernende ohne Berufsmaturität können mit einem EFZ und einer gewissen Anzahl Berufsjahre entweder eine Berufs- oder eine höhere Fachprüfung ablegen. Drei Abschlüsse sind zu unterscheiden:

  • Berufsprüfung
  • Höhere Fachprüfung
  • Höhere Fachschule

Bei den höheren Fachschulen sind die Inhalte der Studiengänge vorgegeben, während bei der Berufs- und höhere Fachprüfung ausschliesslich die Prüfung geregelt wird (ausser beim modularen System). Die höheren Fachprüfung gehen auf die früheren Meisterprüfungen zurück. Die höhere Fachschule hat ihren Ursprung in der früheren Technikerschule und die Berufsprüfung ist neu dazugekommen. Es besteht ein Konkurrenzkampf (wohl auch begrifflich) zwischen den höheren Fachprüfungen und den Fachhochschulen.

Eine bestandene Berufsprüfung führt also zum Eidgenössichen Fachausweis (FA), eine höhere Fachprüfung zum Eidgenössischen Diplom und bei der höheren Fachschule zum Diplom HF. Der Abschluss einer Fachhochschule führt zum Bachelor bzw. Master des jeweiligen Studiengangs. Der prüfungsfreie Eintritt in eine Fachhochschule setzt die Berufsmaturität (BM) voraus.

Die höheren Fachschulen halten sich an 33 Rahmenlehrpläne mit insgesamt 52 Fachrichtungen, welche in 400 anerkannten Bildungsgängen münden.

Gemäss Tabelle 1-1 auf Seite 73 (Buch Berufsbildung in der Schweiz) finden wir für höhere Fachschulen 8 Bereiche, während wir bei Fachhochschulen 5 Ausrichtungen finden. Beim Vergleich sind Überschneidungen zu finden (Technik, Wirtschaft, Gestaltung und Kunst, etc.) aber auch Bereiche die nur bei der HF zu finden sind: Tourismus, Gastgewerbe, Verkehr und Transport, etc.

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Exkursion Zug

Unsere Exkursion führte uns nach Zug, wo sich gleich neben dem Bahnhof eine geballte Ladung Bildungsinstitutionen befindet. Daneben (sozusagen über die Strasse) finden sich namhafte Firmen wie Johnson&Johnson, Novartis u.a. Nach eigenen Aussagen ermöglicht diese Konzentration von Bildungsinstitutionen und Firmen, Innovation wie sie an anderen Orten nicht möglich wären. Die kurzen Wege führen zu einem Austausch zwischen Ausbildung und Arbeitgebern und ermöglichen eine passgenaue Ausrichtung der Bildungsangebote. Ebenfalls nach eigenen Aussagen ist so etwas z.B. im Kanton Zürich nicht so einfach möglich.

Wir besuchten folgende Institutionen:

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Herr Beat Gauderon (seines Zeichens CEO von bildx Zug) eröffnete seine Präsentation mit einem Refresher über die möglichen Bildungswege in der Schweiz: „Kein Abschluss ohne Anschluss“ ist dabei die zentrale Aussage, welche die Durchlässigkeit des Schweizerischen Bildungssystems symbolisiert.

Wir verweilten eine längere Zeit auf diesem Diagramm und konnten allerlei offene Fragen beantworten.

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http://www.stadt.sg.ch/

Es scheint keine Sackgassen zu geben, da mit Passarellen auch ein Quereinstieg z.B. von einer Berufsmaturität hin zu einem Universitätseintritt geschafft werden kann. Interessant war auch der Aspekt, dass beim Kampf um Studenten, die Fachhochschulen, die berufliche Praxis, welche üblicherweise Eintrittsvoraussetzung ist, nun mit Praktika während dem Studium umgehen will. Verwässert sie so ein bisschen Ihre Existenzberechtigung?

bildx (sowie auch das Bildungsnetz Zug) sind bei Ausbildungsverbunde, welche die Lernenden selektieren, einstellen und begleiten und in Zusammenarbeit in einer Art Turnus, diese in angebundene Firmen schickt zur betrieblichen Ausbildung. Die Unternehmung wird somit ein stückweit von verschiedenen Aufgaben entlastet (eben Selektion, etc.) und bindet sich auch nicht 2-4 Jahre an einen Lernenden, was z.T. nicht möglich oder erwünscht ist. bildx setzt v.a. auf die Stärkeren und hat ein strenges Auswahlverfahren, bietet dafür auch innovative Lehrgänge in kaufmännischen Berufen wie eine internationale Ausrichtung oder eine englische Ausbildung (80% englischsprachig, 20% deutsch). Es scheint klar, dass diese Ausbildungsplätze sehr begehrt sind und der späteren Berufskarriere förderlich sind.

Das Bildungsnetz Zug konzentriert sich im Gegensatz auf die eher Schwächeren oder auf Lernende mit einem schwierigen Lebenslauf, welche eine starke Begleitung in der Ausbildung benötigen. So begleitet ein Coach den Lernenden auf seinem gesamten Weg inklusive der ersten Bewerbung nach der Ausbildung.

Der letzte Besuch fand bei der I-B-A (Integrations-Brückenangebot-Zug) statt. Dort wird die Integration von Jugendlichen gefördert, welche neu in die Schweiz gekommen sind und v.a. in Sachen Sprache und Kultur eine „Vorbildung“ benötigen, bevor sie in die üblichen Ausbildungswege entlassen werden können.

Alles in allem, ein interessanter Ausflug. Ebenfalls das Mittagessen in der KBZ Zug war aufschlussreich, welche den Schulpreis 2015 gewann. Durch das Gespräch mit dortigen Lehrkräften wurde die eine oder andere neue Perspektive aufgetan.